Belarus: Reisebericht Minsk

 

Minsk from Christian Wolf on Vimeo.

„Belarus!“ korrigiert mich die Dame am Taxischalter am Flughafen in Minsk, „Weißrussland sagt man nur in Deutschland“. Sie spricht fließend deutsch und freut sich, dass sie das zeigen kann. Sie hat immerhin deutsch studiert. Seit Februar 2017 hat es die Regierung in Minsk Ausländern vereinfacht, das Land zwischen Polen und Russland zu besuchen. Wer über den Flughafen Minsk ein – und ausreist und nicht länger als fünf Tage bleibt, der brauch kein Visum mehr.

Mit der fünf-Tagesregel, die für EU-Bürger und ausgewählte andere Staaten gilt, erhofft man sich mehr Tourismus für Belarus. In etwa besuchen in einem Jahr soviel Menschen das Land wie in Mallorca an einem Tag ankommen. Allerdings ist die Statistik auch mit Vorsicht zu genießen, da es zwischen Russland und Belarus keine Grenzkontrollen gibt und die vielen Russen nicht erfasst werden, die auf diesem Wege einreise. „Unser Schengen-System“, meint die Frau am Flughafen.

Vom Flughafen Minsk (MSQ) geht es per Taxi bequem in die Stadt, das ganze kostet etwa 30 weißrussische Rubel, etwa 12 EUR. Die Fahrzeit dauert je nach Verkehrslage etwa 30-40 Minuten bis ins Zentrum. Minsk macht jedenfalls im Zentrum einen aufgeräumten, sauberen und sicheren Eindruck. Städtebaulich erinnert es etwas an Warschau und teilt sich mit der polnischen Hauptstadt auch ein bisschen Geschichte: Im zweiten Weltkrieg fast völlig bis auf wenige Häuser dem Erdboden gleichgemacht, dominieren heute stalinistische Architektur im Zentrum, die üblichen sozialistischen Wohnmaschinen am Stadtrand.

Die wenigen erhaltenen Denkmäler sind restauriert und hergerichtet. Mittlerweile haben sich auch zahlreiche westliche Hotelketten angesiedelt, die allerdings für die Übernachtungen auch saftige Preise verlangen. Im Zentrum dominieren die üblichen Ladenketten, es gibt zahlreiche Malls. Kreditkarten werden überall problemlos akzeptiert und noch einiges erstaunt: Die Menschen – jedenfalls in der Hauptstadt – sprechen englisch, bisweilen auch ein paar Brocken deutsch. 

Als Ausländer fällt man hier natürlich sofort auf und kommt mit den Leuten schnell ins Gespräch. Die Fünf-Tages-Regel kennt fast jeder und das Interesse, warum man ausgerechnet nach Minks kommt, ist groß. Das als „letzte Diktatur Europas“ im Westen bekannte Land hat in den letzten Jahren deutlich Punkte gemacht und das diplomatische Klima zwischen der EU und Belarus ist merklich aufgetaut, seit Putin die Krim annektiert hat und Belarus sich hier merklich distanziert.

In Minsk treffen sich im Ukraine-Konflikt die Konflikt-Parteien um eine Lösung zu finden. Seither lockert die EU zunehmend die Sanktionen, Belarus öffnet sich für ausländische Touristen aus dem Westen. Gleichwohl soll man die Hinweise der Botschaft bei der Reise nach Belarus beachten, meint das Auswärtige Amt: 

„Trotz der geographischen Nähe zur Europäischen Union begegnen Reisende in Belarus einem System eigener Wertvorstellungen sowie gesetzlicher und administrativer Bestimmungen. Reisende sollten sich daher besonders auf den Aufenthalt in Belarus vorbereiten. Informationen zu besonderen Fragestellungen befinden sich auf der Internetseite der Deutschen Botschaft in Minsk“.

Abgesehen davon, dass ich diese Hinweise auf der Seite der Botschaft auf Anhieb nicht gefunden habe, sollte man sich immer über die Gegebenheiten in einem fremden Land informieren. Als normaler Tourist sollte man in Belarus aber keine Probleme bekommen. Und Gespräche über Politik sollte man halt vermeiden.

Was seine Sehenswürdigkeiten angeht, kann Minsk mit Städten wie Moskau, St Petrsburg, Kiew nicht mithalten. Aber Minsk hat ein nicht zu unterschätzendes Nachtleben. 

Die FAZ berichtet Anfang Oktober 2017 über Belarus, das neue Visa-Regime und die Lage im Land: 

Es herrscht in der Bevölkerung eine depressive Stimmung“, sagt Meister, „die Leute vermissen eine Perspektive für sich im Land“. Zu spüren ist das in Minsk – oberflächlich betrachtet – kaum, die Stadt hat sich mit ihren Prachtboulevards sowjetischer Prägung herausgeputzt. Zwischen Plattenbau- und Zuckerbäcker-Architektur findet sich eine eigentümliche Mischung aus Ostalgie und Gegenwart.

Ach ja, bei der Einreise ist noch folgendes wichtig: Eine Krankenversicherung. Eine Police darüber mit einer Deckungssumme von 10.000,00 EUR und Gültigkeit für Belarus muss bei der Einreise nachgewiesen werden. Ist mir noch nie passiert, dass danach gefragt wurde. Wer keine vorweisen kann, darf nicht einreisen. Ist aber nicht weiter problematisch, denn am Flughafen kann gleich eine Krankenversicherung gekauft werden. Kostenpunkt für drei Tage: Vier EURO.

Posted from Minsk, Minsk Region, Belarus.

RALupo

Christian Wolf blogt und betreibt seit einer Ewigkeit andere-ansicht.de und ist als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main tätig

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