Gerichtskostenmarken

Ein Mandant hat meine Rechnung nicht bezahlt und die begleitenden Umstände dazu haben doch zu einer gewissen Verärgerung bei mir geführt. Nachdem die Forderung nunmehr tituliert ist und immer noch keine Zahlung erfolgt, muss es also in die Zwangsvollstreckung gehen. Im Angesicht der eben erwähnten Verärgerung ärgere ich jetzt zurück: Mittels eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses betreffend das schuldnerische Bankkonto. Dazu bedarf eines Gerichtskostenstemplers.

 Nun befindet sich die Kanzlei inmitten des Gerichtsviertels und die Öffnungszeiten der Gerichtskasse von 8:30 bis 16:30 verlocken dazu, in der Mittagspause einen Abstecher zum Gericht zu unternehmen und dort den notwendigen Gebührenstempel im Wert von 20 EUR zu besorgen. Nach einem dreiminütigen Spaziergang im Gebäude A angelangt, antwortet der Sicherheits-Heinz an der Pforte meine Frage nach dem zuständigen Büro mit einem zweifelnden Blick mit „Ich glaube, der Automat ist kaputt“. Am Ende eines langen dunklen Ganges mit vielen Türen stehen dann zwei ratlose Herrschaften und starren auf den Automaten. „Sorry, da geht nix, gehen Sie ins Gebäude B, zahlen Sie das Geld ein, holen Sie sich eine Quittung und gehen dann zur Zahlstelle in B“, meint die ratlose Dame. Eine Treppe hoch, links, dann den Gang entlang, über den Zugang von Gebäude A ins Gebäude B, Treppe runter, links treffe ich auf einen Automaten, eine lange Schlange mit vielen ratlosen Menschen. Der Automat ist kaputt. Eine Frau rastet gerade aus: „Ey, wenn isch das heut net zahl, geh isch in n Knast!“ hallt es durch die dunklen Hallen. „Vielleicht geht der Automat im Gebäude E“, meint ein Justiz-Wachtel, aber sicher wissen tut er das auch nicht. 

Am nächsten Tag in der Mittagspause, der Ärger auf den Schuldner ist immer noch groß, führt der Spaziergang in der Mittagspause wieder ins Gebäude A. Der Automat ist immer noch kaputt, der in B auch. Also doch ins Gebäude E. Immerhin, der Automat funktioniert und zieht mir 20 EUR ein. Statt der üblichen Marke kommen zwei Thermostreifen mit Buchstaben. Einen für mich, einen für das Gericht. Reicht das jetzt für den PfÜB oder muss ich die irgendwo gegen eine Marke eintauschen? Der Schalter, laut Schild geöffnet von 8:30 bis 16:30 hat geschlossen. Auf die betätigte Klingel erscheint ein müder Wachmann und meint, er habe keine Ahnung, wisse nichts, gezeigt habe man ihm das nie und überhaupt soll ich es vielleicht mal im Gebäude B versuchen. Um es Kurz zu machen: Im Gebäude B hat auch niemand Ahnung – außer vielleicht die Geschäftsstelle des (örtlich unzuständigen) Vollstreckungsgericht. „Wissen Sie wo die ist?“ „Ja“, antwortet der müde Justizbeschäftigte im Gebäude B.

In der Klingerstraße 20.

Das Haus neben der Kanzlei.

Posted from Frankfurt, Hesse, Germany.

RALupo

Christian Wolf blogt und betreibt seit einer Ewigkeit andere-ansicht.de und ist als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main tätig

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