Bürobedarf

Als ich jüngst unterwegs von der Aufregung über die Büroklammer von Prada für 185 US$ las, war sofort klar: Mein Büro braucht neue Büroklammern. Bei einem Abstecher im örtlichen Prada Store in Panama war die Büroklammer des italienischen Luxuslabels natürlich nicht vorrätig. Die kannte man dort gar nicht. Und Bürobedarf habe man ohnehin nicht. Bei Barneys (kannte ich bislang auch nicht) war die Klammer von Prada allerdings auch nicht mehr zu haben.

Da ich auf den Schriftzug ohnehin nicht viel Wert legte, war ich immerhin erfreut zu sehen, dass es die Klammer auch ohne Label gab, dafür sogar auch ein paar US-Doller günstiger. Also bestellt. Der Versand aus New York klappte offenbar recht schnell (Die Abbuchung auch). Die Klammer ist solide gearbeitet und besteht aus poliertem Sterlingsilber, sie ist 6,25 Zentimeter lang und 2,25 Zentimeter breit

Dann kam leider DHL dazwischen. Die transportierten das gute Stück nämlich. Irgendwann früh morgens erreichte mich eine e-Mail von DHL, die mich informierte, dass mein Bürobedarf in Deutschland angekommen sei. Und nun wurde es tricky. Vom Zollkodex hatte ich durch das Korrekturlesen diverser Aufsätze zum Außenwirtschaftsrecht schonmal gehört, allerdings war mir von vorne bis hinten nicht klar, was ich da ausfüllen sollte und wo ich die Angaben, die DHL benötigte, eigentlich herbekommen sollte? (Warenklasse?) Also Anruf bei der Hotline. Den übersandten Fragebogen und die Zollerklärungen benötige man natürlich überhaupt nicht, lachte der Hotline-Mitarbeiter (warum verschickt man das denn?), ich solle lediglich die Bestellbestätigung per Mail einreichen, was auch prompt geschah.

Dann geschah bei DHL erstmal nichts. Auf der Website konnte ich jeden Tag lesen, dass ein „Clearance Event“ stattfand. Jeden Tag. Was das hieß, hätte ich vielleicht erfahren können, wenn ich mich zu dem Vorgang eingeloggt hätte, aber dafür hätte ich irgendwelche Benutzerdaten eingeben müssen, die ich nicht hatte und von denen mir bei DHL auch niemand sagen konnte, wo ich die her bekommen sollte. DHL empfahl schließlich, mich an „den Zoll“ zu wenden, um zu erfahren, was mit meinem Paket ist. Wo, bei wem, mit welchem Aktenzeichen, Vorgangsnummer, etc? Fehlanzeige.

War mir dann irgendwann auch zu blöd und ich stornierte bei Barneys in New York, was prompt bestätigt wurde. Das Paket geht wieder zurück in die USA und ich bekomme mein Geld. Am nächsten Tag meldete DHL, dass das Paket in Frankfurt ist, heute brachte es der Bote mit der Büropost. An dieser Stelle lobe und preise ich nochmal den EU-Binnenmarkt!

Und ja, die Klammer ist eigentlich ganz hübsch. Sie eignet sich sowohl als überdimensionierte Büroklammer zum Anheften von Notizzetteln, als auch für ihre eigentliche Bestimmung: Als Geldscheinklammer. Allerdings habe ich seit dem Kauf auch keine Geldscheine mehr.

Posted from Frankfurt, Hesse, Germany.

RALupo

Christian Wolf blogt und betreibt seit einer Ewigkeit andere-ansicht.de und ist als Rechtsanwalt in Frankfurt am Main tätig

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